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Der Fund und die Bergung

Ein großes hölzernes Wrack tauchte am 9. Oktober 1962 beim Ausbaggern eines Hafenbeckens in Bremen auf. Der Bremer Landesarchäologe und Historiker am Focke Museum, Siegfried Fliedner, traute seinen Augen nicht: Dies war eine Sensation – eine Hansekogge. Mit großen Mühen gelang es Fliedner, Geld für die Rettung dieses einmaligen Schiffsfundes zu beschaffen.
Eine Bergung des Schiffes im Ganzen war nicht möglich. Berührte Fliedner Eisennägel und Holzdübel an der Bordwand, fielen sie ihm in die Hand. Die Schiffshölzer hielten nicht mehr zusammen.
Er ließ alle Balken und Planken, die bei Ebbe aus der Weser ragten, nummerieren und vermessen. Ein Helmtaucher holte sie einzeln heraus. Schwere Teile hob ein Schwimmkran auf einen Ponton.

 

Fund der Kogge

Foto: DSM

 
 
 

Der Wiederaufbau und Konservierung der Kogge im DSM:

Der Aufbau der Bremer Kogge im Deutschen Schiffahrtsmuseum dauerte sieben Jahre. Zu Anfang breiteten Holzschiffbauer Werner Lahn und seine Helfer die Teile des Puzzles in der Koggehalle aus. Ein Binnenschiff hatte die 45 Tonnen Koggehölzer oder 2000 Holzteile die Weser hinab in das Deutsche Schiffahrtsmuseum nach Bremerhaven gebracht. Mehrere Rasensprenger hielten die Koggehölzer nass, damit sie nicht trockneten und dabei schrumpften. Düsen unter der Decke der Halle versprühten künstlichen Nebel. Die wassergesättigten großen Hölzer waren außerordentlich schwer. Mit einem fahrbaren und leicht manövrierfähigen Kran konnten die Schiffbauer sie bewegen und in die wachsende Kogge einpassen. Die Arbeit von Leitern und Baugerüsten aus war mühevoll. Die Männer litten unter Erkältungen und Rheuma, denn die Luftfeuchtigkeit in der Koggehalle lag bei 97%.Manche Bruchstücke von Planken konnte Werner Lahn erst nach langem Betrachten und wiederholtem Probieren an ihre richtige Stelle im Schiff bringen.

Die Bremer Kogge war ein ungewöhnlich großer archäologischer Fund aus nassem Holz. Seit Archäologen hölzerne Gegenstände vergangener Zeiten aus Mooren, Seen und Flüssen ausgraben, haben sie erfahren müssen, dass nasses Holz an der Luft schrumpft, sich verwirft und reißt, selbst wenn es gut erhalten ist und nicht verändert zu sein scheint.
Zuerst kam die Kogge in ein Bad mit PEG 200, danach in ein Bad mit PEG 3000.
Das Becken in Zahlen: 800 000 Liter Inhalt, 110 t Stahl, davon 37 t Edelstahl, 11,5 cm Stärke der Sichtscheiben, durch die Museumsbesucher die Kogge in ihrem Becken sehen konnten. 13 Tanklaster brachten im Winter 1995/96 je 20 Tonnen 100 °C heißes, geschmolzenes PEG 3000 von der Fabrik in Bayern in das Deutsche Schiffahrtsmuseum. Im Museum setzen wir Wasser zu: Die heiße Mischung für das zweite Tauchbad sollte 60%ig werden. 1999 wurde die Konservierung – nach 19 Jahren beendet. Stahlarbeiter der Motorenwerke Bremerhaven zerschnitten das Konservierungsbecken in handliche Stücke. Dabei durften weder Stahlteile noch glühende Stahltropfen von den Plasmabrennern auf das kostbare Koggeholz fallen. Mit Spateln und Messern, Dampfstrahler, Heißluftföhn und Schwämmen entfernten wir das überschüssige PEG. Die Bremer Kogge ist ein besonders großes und weitgehend erhaltenes Schiff aus dem Mittelalter. Sie 23,27 m lang, 7,62 m breit und bis zur Winde auf dem Kastelldeck 7,02 m hoch. Ihre Laderaumgröße beträgt etwa 160 m³.



Foto: Hans-Jürgen Darlison

 


Foto: Archiv DSM



Foto: Archiv DSM



Foto: Archiv DSM